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Siena - Molino di Foci - Besuch bei meiner Cousine Heidi - Tag 44

  • Autorenbild: tzeitler
    tzeitler
  • 26. Sept. 2022
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Sept. 2022

Nach gutem Schlaf auf das gestrige Abendessen wachte ich zeitig auf. Ich überlegte, was die passende Morgenmusik sein konnte. Gianna Nanini kommt aus Siena, ihre Verwandschaft betreibt ein Café/Restaurant 50 Meter entfernt von meinem Wohnturm. Also Google -Suche mit ihrem Namen und auf den gestrigen Tag kombiniert mit "pioggia" ergibt die Morgenmusik: IO.


Come la pioggia, il sentimento

Spegnerà la nostra rabbia

Solo una goccia sopra il viso

Poi ancora il sole.


Das ist doch eine Ansage:


Wie der Regen, das Gefühl

Wird unsere Wut auslöschen,

Nur ein Tropfen aufs Gesicht,

Dann ist die Sonne wieder da.


Ich mache mich auf zum Dom um die Frühmesse zu besuchen. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um den Dom zu sehen und das Kirchenitalienisch zu testen. Im Küchenitalienisch bin ich ja schon fortgeschritten durch meine stetige Mühen in den Restaurants - auch wenn ich noch nicht alle Nudelsorten sauber deklinieren kann.


Ich bin zu früh dran um halb 8, der Einlasskontrolleur schickt mich noch weiter, es sei noch Zeit für einen Cafè. Diesen Rat nehme ich gerne an und bewege mich in die nächste Bar.


5 vor 8 bin ich zurück, der Einlasskontrolleur schickt mich hinein (" Vai, vai") - ich frage ihn, wer heute die Orgel spielt. Niemand. Mein Angebot schlägt er aus mit der Begründung, die Orgel im Dom werde zu den Messen nur von November bis März gespielt, da der Spieltisch hinter den Touristenabsperrungen stehe. Mist - wieder eine Chance verpasst.

Der ganze Text des Gottesdienstes ist auf einem Faltblatt abgedruckt, sodass ich dem Ganzen gut sprachlich folgen kann zur Aufbesserung des Kirchenitalienisch - auch wenn ich es nur selten gebrauchen werde.


Zum Abschluss noch schnell die Fotos im Dom und dann geht's hinaus.

Die Unterkunft vergibt, so wie viele in Italien. Gutscheine für Hörnchen und Cafè anstelle eines eigenen Frühstücks. Also Frühstück zum Zweiten. Freunde hatten mir geraten, noch einen Cafè bei Nanninis zu nehmen, aber das überschreitet meinen zu ertragenden Koffeinspiegel. Zurück zur Unterkunft, umgezogen und gepackt, mache ich mich auf mit Fotostops die Stadt zu verlassen Richtung Poggibonsi.


Kurz blitzt die Erinnerung an meinen Arbeitgeber mit dem Hotel Continental auf, ich komme an der Banca Monte dei Paschi vorbei, der ältesten noch existierenden Bank der Welt seit 1473. 2016 musste zwar der italienische Staat eine Rettungsaktion einleiten nach finanziellen Turbulenzen, doch sie scheint wieder auf solventen Füßen zu stehen. Vor der Bank steht Salustio Baldini, Priester, Politiker und Ökonom aus dem angehenden 18. Jahrhundert.

Der Morgen ist zum Glück regenfrei und ich kann etwas von der toskanischen Landschaft in mich aufnehmen. Auch dort herbstelt es kräftig.

Vor einer Sperrung der Hauptstraße nach etwa 20 km verlasse ich diese und stoße auf La Rocca di Staggia. Am Straßenrand steht eine lustige und gesprächig Dame, wie sich rausstellt ist sie die Promoterin und Burgverwalterin in einer Person.


Sie erzählt mir von Arachne, der Weberin, die Athene herausfordert und dann in eine Spinne verwandelt wurde und auch jeder Faden an dem Netz das Leben eines Menschen symbolisiert, der mit anderen Menschen verwoben ist. Die Burg hat einen runden Turm ( Frieden) und einen Eckigen( Krieg), der von verschiedenen Adligen mit solchen Neigungen hinzugefügt wurde. Der Zugang symbolisiert die Nabelschnur mit dem Schmerz, was Altes zu verlassen, sodass Neues beginnen soll.


Eigentlich wollte ich nur ein Bild von der Burg machen und mit ihr ein wenig quatschen, sie will mich auf die einstündige Burgführung mitnehmen sowie auch zwei Kanadier mit italienischen Wurzeln. Ich lehne dankend ab mit dem Hinweis, meine Cousine würde bereits mit dem Mittagessen warten.

Ich fahre weiter eine Umleitung und gönne mir dadurch weitere 100 Höhenmeter. Noch weitere 15 km und dann komme ich schon bei der Molino di Foci an, die meine Cousine mit ihrem Geschäftspartner Luca betreibt oder man muss fast schon sagen betrieben hatte.

Sie wohnt einen Kilometer oberhalb in einem Weiler und hat für mich schon Mittagessen vorbereitet. Wir unterhalten uns dabei, wie wir Italien so wahrgenommen haben, ich in den letzten sieben Wochen, tauschen uns zu verschiedenen Mitgliedern in der Familie aus und was die letzten 30 Jahre in unser beider Leben passiert ist. Videosanrufe mit ihrer Mutter zuhause und ihrer Schwester am Oktoberfest ergänzen die nette Unterhaltung. Heidi fährt morgen früh für 10 Tage nach München für Familienbesuch und Oktoberfest. Im Molino tritt sie mittlerweile etwas kürzer, hat ihre Arbeitszeit auf einen Tag reduziert pro Woche zur Kompensation der Ruhetage ihres Geschäftspartners und ist auf der Suche nach Veränderung.

Vor lauter Reden und zuhören vergesse ich fast die leckere Pasta und anschließenden gegrillten Rinderstreifen zu mir zu nehmen. Zum Abschluss noch ein Cafè Corretto mit Sambucca - laut Heidi kann man so gut den Zucker ersetzen 😉.

Von der Terasse hat man einen wunderschönen Blick nach San Gimignano.


Während dessen hat der Regen wieder heftig eingesetzt und da der Nachmittag auch schon fortgeschritten ist, organisiert sie mir ein Zimmer in der Mühle. Am Abend kommen schweizer Freunde auf dem Weg nach Elba vorbei, wo sie einen Tisch in einer Enoteca reserviert hat, wo sie mich mitnimmt. Eine kurze Regenpause nutze ich, die Holperstraße zur Mühle wieder hinunterzurumpeln und kümmere mich die späten Nachmittagsstunden um nasse und zu waschende Kleidung, die ich im Trockenraum unterbringe.


Die Enoteca "I love you" liegt im 11 km entfernten Poggibonsi. Wir probieren Weißwein nach schon ausreichend Rotweingenuss am Nachmittag. Der Betrieber und Somelier ist sehr kompetent - seine Enoteca ist laut Heidi und Googlemaps-Kommentaren der beste Ort in der Toskana um Wein zu trinken und gut zu Essen. Ich wähle den Tonno Rosso, den seine Frau in der offenen Küche vom Gastraum aus einzusehen vorbereitet - lecker!


Wir unterhalten uns köstlich, die Stunden verfliegen und es ist Schade, dass der Abend so schnell wie im Flug vergangen ist ( Volare!). Naja, die Schweizer Richard und Francesca sehe ich zum Frühstück wieder; sie übernachten auch in der Mühle im Zimmer gegenüber.


Fazit des Tages:


35 km, 391 Höhenmeter


In der Toskana viel über Wein, die Schweiz, meine Familie und Heidi gelernt - ein toller Tag.


Einziger Sorgenpunkt: das wieder verstärkt schmerzende Knie.



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