top of page

La Spezia - Cinque Terre - Levanto - Tag 47

  • Autorenbild: tzeitler
    tzeitler
  • 29. Sept. 2022
  • 4 Min. Lesezeit

Nach dem Verlassen der Unterkunft gehe ich zum Frühstücken zu "Da Gigi", 500 Meter entfernt.

Eine Frau bestellte Wasser, die Wirtin sagte da nehmen wir eins mit Gas, ich machte den Scherz, das es das Gas noch gibt mit der Preiserhöhung, die ich heute erhalten habe und schon trat ich eine mittlere Revolution los in der Bar: aus jedem brach es heraus, wie schlecht es ihnen geht, dass sie nicht wissen, wie es weitergeht mit den Preiserhöhungen, ob Pellets oder Gas oder Strom - die Lage ist sehr angespannt.


Ich habe mich entschlossen, mit dem Zug die Cinque Terre zu durchqueren, deshalb radle ich zurück nach La Spezia. Zum Warmwerden kommen die ersten 130 Höhenmeter Anstieg, bei der Abfahrt wärmt schon die Morgensonne.

Es gibt eine Cinque-Terra-Karte für einen Tag, den ich mir kaufe, das

Fahrrad ist darin enthalten.



Ich besuche ein Dorf nach dem anderen , Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso.

Sie sind alle schön anzuschauen, aber radtechnisch sind nur in Corniglio und Monterosso anzuführen, in den anderen Orten schiebe ich oder sperre das Rad in den Bahnhöfen bei den Gleisen an.

Zu Mittag sehe ich eine Kaktusfeige. Seit dem Gargano wollte ich schon eine probieren. Dank dem Opinel-Messer kann ich eine Kaktusfeige fachgerecht ab - und zuschneiden.

Der Geschmack ist eine Mischung aus Drachenfrucht, Melone und Pflaume mit Granatapfel.


Zu Mittag gönne ich mir einen kleinen Snack in Corniglia, fahre weiter mit dem Zug nach Vernazza und nutze Wartezeit und Zugfahrt als Unterstand währen eines halbstündigen Regens.

Wie sind die Cinque Terre? Zuerst Mal landschaftlich sehr schön. Durch die besondere Lage ist eine Autoanreise unmöglich und jeder benutzt den Zug - geht doch! Ein attraktives Ziel und es ist die einzige Möglichkeit. Die Ausrede, ich fahr mal lieber mit dem Auto, weil es bequemer ist funktioniert hier ganz einfach nicht. Was würde passieren, wenn man z. B. München ab dem Autobahnring komplett für den Autoverkehr sperren würde?

Ich saß zu Beginn im Zug neben einem Einheimischen, der sich über das Gedränge im Zug - so wie wir es in den Brennpunkten des 9€- Tickets - beschwert hatte: Man kann nur noch fahren von November bis März.

Von den Touristenströmen, man muss fast sagen -fluten, sind die Cinque Terre fest in französischer Hand gefolgt von Amerikanern. Vielleicht könnte es als 96. Departement der Grande Nation durchgehen. Mit anderen Touristen habe ich fast nur Französisch gesprochen.


Aber als Radler und Meerbader fallen die Cinque Terre als schönste Küste Italiens komplett durch.


Monterossa ist das einzige Dorf mit Strand, da konnte ich es mir nicht nehmen lassen, wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Jahr im Meer zu baden, wenn auch nur bis zum Bauchnabel aufgrund der heftigen Strömung (rote Flagge). Aber ich hab ja immer alles am Mann. Ein bißchen Ruhe tut gut nach dem Gedränge zuvor.

Noch ein bißchen durch denn Ort gestreift. Es gibt eine Gedenktafel über eine Rettungsaktion von deutschen Soldaten eines angeschossenen Botes, die ich mir anschaue. Mich sprechen zwei französische Herren im Rentenalter auf französisch (!) an, was das wohl heiße, ich übersetze es ihnen aus dem Italienischen. Vielleicht wäre das einfachste, komplett die Beschilderung dort auf Französisch einzuführen unter dem Titel - "piccola Francia" - so wie die Little India in Singapur.


Ich entdecke noch eine Orgel hinter dem Volksaltar in einer Kirche - fast so als würde dort die Orgel angebetet - ich hätte sie gern gespielt.

Dann verabschiede ich mich von der Cinque Terre und fahre weiter nach Levanto, ein sehr schönes Badestädtchen. Das lässt sich merken für einem späteren etwaigen Urlaub.


Schnell nochmal in der Altstadt gestärkt, nehme ich den Küstenradweg, der größtenteils durch einen ehemaligen Eisbahntunnel gut 10 km weiter nach Norden führt.

Die Navi verwehrt ihn mir eigentlich, vielleicht wegen des Kuriosums am Ende: Es geht nicht weiter. Man steht auf einer Sackgasse neben einem abgesperrten Bahngleis und hat nur die Möglichkeit einen Aufzug 20 Meter in die Tiefe zu nehmen, fährt dort durch eine kurze Kleinhafenbucht, die von den Wellen bei heftigem Seegang überspielt wird und geht eine Treppe wieder aufwärts, die so konstruiert ist, dass man das Rad bequemst schieben kann. Eine schöne Bestellung! Wie wäre es gewesen, den Radweg vielleicht noch etwas weiterzubauen????



Dann kommt der fast schon tägliche Schlussanstieg zur Unterkunft: 320 Höhenmeter mit schöner Sicht auf das Meer.

Angekommen an der Unterunft genieße ich den Spnnenuntergang mit Messina-Bier-etwas Wehmut nach Sizilien nach einem beeindruckenden Tag in Ligurien.

Zum Abendessen rät mir der Vermieter, der zwar ein Restaurant im Haus hat, das er seit einem Jahr nicht mehr betreibt, zu "Da Silvia" zu gehen. Dort angekommen finde ich eine Bar vor, die grade am Zumachen ist, der Barmann antwortet mir, ja, die Silvia, die mache heute nichts, das sei getrennt von seiner Bar, da schaue er mal um die Ecke, nein es sei bei ihr zu.


Außen sitzen drei Seearbeiter, ich frage sie in ihre Unterhaltung über seemännische Krankenkassen, wo es im Ort noch was zu Essen gebe. Ja es gebe eine Pizzeria im Ort, sie hätten dort um halb neun einen Tisch reserviert, brächen in 5 Minuten auf und würden mich mitnehmen und den Weg dorthin zeigen. Ich lausche ihrer Unterhaltung über Zahnprobleme in den letzten Jahren auf See, ein Zahnarzt hätte vielleicht mehr Freude am Inhalt gehabt als ich - sprachlich konnte ich dem ganz gut folgen. Wir kommen ins Gespräch - der Tisch sei für fünf reserviert im Tana di Lupo (@Alfons: vlči jamy (tschechisch) - eine lustige Pension im Dreiländereck Tschechien, Deutschland, Österreich auf der Radeltour 2014) doch auf einen mehr kommt es nicht an und allein wäre eh fad. Dem kann ich nur zustimmen.


Nach lustigen Gesprächen, Pizza da Lupo, Nachtisch und Grappa auf der Terrasse wollen sie noch aufbrechen, in Fabios 54. Geburtstag hineinzufeiern.

Eine Dame, die mir Anfangs als Schwester von Fabio vorgestellt wurde, auf Nachfrage sich aber herausstellte, dass dies nicht zutraf, betreibt ein Café am Strand, bei dem ich doch zum Mittagessen morgen vorbeischauen soll und überreicht mir das Kärtchen.


Auf der Rückfahrt geht es die 250 Höhenmeter von heute früh am Abend wieder hoch (als Mitfahrer) zum Quartier, ich verabschiede mich von Fabio und lass sie alleine weiterfeiern. Seemänner- ein lustiges Völkchen!



Fazit für heute:

25 km (gemessen) + ~10 km Tunnel ohne GPS

557 Höhenmeter


Cinque Terre schön, aber keine Top-Küste für Radfahrer.


Nimm dich in Acht vor Seemännern!



Kommentare


Beitrag: Blog2_Post
bottom of page