Sibari - Crotone-Borticello - die Prüfung der Heroen durch die Götter - Tag 29
- tzeitler

- 10. Sept. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Sept. 2022
Da Fabio ein Frühaufsteher ist und für die Seume-Veredelung der Reise in Syrakus ein straffes Programm von mindestens 150 km die nächsten Tage ansteht, muss ich mein Morgenbad vor den Sonnenaufgang legen.

Die Sonne geht um genau 6:30 auf.

Um sieben soll es dann los gehen.
Wir verlassen die Unterkunft mit dem Ziel der Ausgrabungen von Sibari.

Schon kommt die erste Prüfung: der Routingalgorithmus von Google schickt uns unnötig 700 m über einen Holperweg.
Nach dem Foto und dem kurzen Streifzug über das abgesperrte Gelände kommt nach der Auffahrt auf die SS 106 die nächste Prüfung: die Götter wollen die Statistik der Pannen erfüllt sehen. Eine neue Woche hat begonnen, also haben sie auch den nächsten Platten geschickt mithilfe eines Brombeerstachels: Panne Nr 7. Fabio will schon die Reparaturzeiten stoppen wie in den Boxen der Formel 1 beim Reifenwechseln - ich halte ihn davon ab und lass ihn lieber die Situation dokumentarisch aufarbeiten.
Im nächsten Ort spricht mich der junge Mitarbeiter im Fahrradshop auf Deutsch an, als er hört, wo ich herkomme, da er in der Nähe von Heidelberg geboren und aufgewachsen ist und die Eltern vor 15 Jahren zurückgekehrt sind. Ich spreche mit ihm über die Wasserversorgung - seines Wissen gibt es nirgends in den Häusern Tinkwasser in Kalabrien - " che cavolo!"
Nachdem er mir den Reifen perfekt aufgepumpt hat und ich mit 2 Reserveschläuchen ausgestattet bin, sollte ich statistisch die Woche 5 jetzt durchstehen können.
Die den Blog lesenden Physiker mögen die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, dass es doch nicht klappen sollte, oder mir die Anzahl der Schläuche mitteilen, die ich mitführen muss, sodass die Ausfallwahrscheinlichkeit < 0,1% beträgt. Die richtige Antwort vor der dritten Reifenpanne diese Woche gewinnt eine Flasche Wein.
Wir fahren los und ich komme allmählich auf Betriebstemperatur und fahre mit mit der göttlichen Geschwindigkeit von 27 km/h ( 3x3x3: für Zahlenliebhaber) vorne weg, Fabio hält sich tapfer im Windschatten mit seinen breiten Reifen und seiner erhöhten Zuladung und bezeichnet mich als "locomotiva tedesca".
Die nächste Prüfung steht an: die Götter wollen uns durch massive Erhöhung der Außentemperatur ins Wanken bringen. Wir begegnen diesem durch einen Stopp im nächsten Supermarkt.

Wir entscheiden uns bis Crotone die ersten 113 km des Tages durchzufahrenen und dort Mittag zu machen.
Dort gibt es eine Burg Karls V., desselben, der sich in Regensburg rumgetrieben hat und mit der 15-jährigen Barbara Blomberg den Don Juan d'Austria gezeugt hat. Dieser wiederum hat in der Schlacht bei Lepanto das Abendland verteidigt.
Wir erwarten dort eine Tourismusattraktion, doch die Götter haben die nächsten zwei Prüfungen uns auferlegt:

die unerwarteten Höhenmeter der Burg zu erklimmen.

Auch diese Prüfung meistern wir und stellen fest, dass sich keiner für die Burg interessiert, weil es dort keine Bar und sonst nichts gibt. Wir rollen durch den ähnlich nach einem Nuklearschlag entlebten Ort.
Wir drohen schon an der Essensversorgung als Prüfung Nr 2 in Cortone zu scheitern, doch da greift Neptun ein: vor unseren Augen tut sich eine Tavola calda auf mit herrlichem Polpo-Salat.

Gut gestärkt verließen wir den Ort - doch da schritt Zeus ein als oberster Berggott - ein giftiger Anstieg von 15 Prozent beim Verlassen des Zentrums.
Anscheinend langweilte sich grad auch noch Aeolus - Gott der Winde und feuerte eine erste Salve Gegenwind ab. Das konnte Zeus nicht auf sich sitzen lassen und erhob die Hauptstraße zu einem 10 prozentigen Anstieg mit 200 Höhenmetern.

Anschließend schliefen sie in ihrer Siesta dann ein, erwachten aber durch meinen Freudenschrei bei Erreichen der 150 Tageskilometer und stellten für die Ankuft in Borticello die Windmaschine auf volle Stufe.
Alle Prüfungen gemeistert begaben wir uns dann nach der Ankunft in die Hände der einzigen Gottheit, die anscheinend Radfahrern gewogen ist: zu Neptun ins Meer.

Zum Abendessen huldigen wir weiterhin Neptun. Über den Dyonysos-Kult schweige ich mich aus.
Die römische Fortuna, die für die Räder zuständig ist, fühlt sich anscheinend in der griechisch beeinflussten Region für uns nicht zuständig - morgen dann wieder. Ich opfere ihr mal den kaputten Schlauch - ich hoffe, sie findet ihre Gabe in meinem Altar des Abfalleimers 😉.
CRAS NOBISCUM DI SINT.
Mögen die Götter mit uns morgen sein!
Fazit:
156 km, 584 Höhenmeter.
Heute im Modus Forest Gump.
Die Landschaft ab Crotone erinnert mich an Andalusien.









Wo hast Du Fabio aufgegabelt? Der Blog hat eine Pause. Alles in Ordnung?