Metaponto - Sibari - der Kampf des Radlers mit dem Süden - Tag 28
- tzeitler

- 10. Sept. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Sept. 2022
( in italiano https://www.facebook.com/100000216347629/posts/pfbid0iBseLTiYzgDWh5dkTXrydTDDZKT1ALc9qbVj8qBTQS3K2umhMndNJ9iG7BgJfSEkl/ )
Gestern während des Abendessens hatte ich auf Facebook festgestellt, dass Fabio Moreschi , der die Tour Aosta-Tal nach Sizilien strampelt, eine Stunde von mir entfernt ist. Wir verabreden, dass er mich als Frühaufsteher um dreiviertel acht in meinem Luxusdomizil abholt.
Ich bin zwar mit meinem üppigen Frühstück fertig,

doch muss er noch warten bei einem Cafè, bis ich alle Aufräumarbeiten erledigt habe.

Gestern stellte ich fest, dass die Ausgrabung mit dem Heratempel nicht weit entfernt von meiner Wohnung liegt, und wir müssen sie natürlich in die Strecke mit einbauen.
Hera war die Gattin des Zeus und musste dessen amouröse Abenteuer ertragen. Sie gilt als Hüterin von Ehe und Familie.

Die Navi führt uns auf die Hauptstraße süd- ostwärts und geht unbemerkt in eine Kraftfahrtstraße/Superstrada über. An der nächsten Ausfahrt verlassen wir sie, die Navi führt uns in die Berge.

Nach 450 gefahrenen Höhenmetern zeigt Google Maps eine flache Alternative über die Küste, die - wie sich hinterher herausstellt, nur über die Superstrada bewerkstelligt werden kann. Nach 10 km und an uns eng vorbeirauschenden LKWs geben wir entnervt auf, was bei der Mittagshitze uns weitere 250 Höhenmeter einbringt.

Kurz nach dem Verlassen der Superstrada habe ich meinen 6. Platten, wieder aufgrund eines Brombeerstachels.

Die einzig verfügbare Nebenstraße ist hinterher ohne Alternative gesperrt, was uns dazu zwingt, die Räder über die Absperrungen auf die Superstrada zu tragen!
Somit verlieren wir sehr viel Zeit und machen einen Umweg von mindestens 40 km. Kalabrien ist fahrradtechnisch ein Entwicklungsland. Wenn ich das mit der Adria vergleiche, liegt ein Jahrhundert dazwischen vom Fahrradinfrastrukturentwicklungsstand her gesehen - mindestens.
Liebe Minister , cari ministri della regione,
che avete fatto con la infrastruttura del suo paese? Come è diventato un pezzo del terzo mondo? Avete dormito?
Wir finden dann einen Gommista, der mir einen gebrauchten (!) Ersatzschlauch für 5 € verkauft und uns die Reifen mit einem Kompressor professionell auffüllt.
Die Hitze erfordert viele Zwischenstopps mit kalten Getränken.

Mit was kämpft der Radler im Süden Italiens:
Hitze: die Tagestemperaturen betragen 36 Grad.
Gegenwind: mit gefühlten Böen von mehr als 60 km pro Stunde waren die letzten 40 km eine Tortur.
Straßeninfrastruktur; schlecht ausgebaute Straßen verhindern durch Löcher, schlechten Belag und enge Straßen ein zügiges Vorwärtskommen.
Fehlendes Radwegekonzept, um überhaupt von A nach B zu kommen: heute bestand der einzige Weg an der Küste über die Superstrada, da wir sie aufgrund des Verbots für Räder und der Gefahren nicht nehmen wollten, stand uns ein Umweg 40 km über die Berge mit 800 Höhenmetern bevor. In einem später kommenden Straßenabschnitt mit Bauarbeiten wird die Straße geschlossen und die einzige Umleitungsoption führt über die Superstrada.
Mentalität der Menschen: anstatt was zu verändern , sehen sie sich als Opfer und behalten den unerträglichen Status quo bei.
Die Aufklärung ist in weiten Teilen noch nicht angekommen; es herrscht noch die Zeit der unreflektierten volkstümlichen Kultur vor. Ablesen kann man das am Umgang mit der Person Padre Pio.
Früher ( 6 - 4. Jahrhundert v
Chr. ) war in der Gegend die Zeit der griechischen Hochkultur mit den Bürgern der Polis. Die Übernahme durch die Römer hat diese Kultur zerstört durch eine Bauernkultur der Römer/Etrusker zur Zeit der hannibalischen Kriege, wovon sich die Gegend bis heute nicht erholt hat und in den Mafia-Strukturen stecken geblieben ist.
Wir kommen am Abend in Sibri an,

wir entscheiden uns für Ferienzimmer(40€) und stellen fest, dass es kein Trinkwasser in den Wohnungen gibt und das Leitungswasser massiv nach Schwefel stinkt: so was hab ich persönlich in Europa bisher nirgends gesehen!
Das Bad nach Sonnenuntergang im Meer bei schöner Bergkulisse und Mond kann mich etwas versöhnen, sowie das herforagende Abendessen: Highlight ist der Thunfischtatar mit Pistazienkernen und Burata, garniert mit einer Soße aus Zitrone.
Fazit heute:
137 km, 894 Höhenmeter.
In Summe der Tour habe ich die 2500 km überschritten bei 21 Fahrtagen.
Heute ist nach 4 Wochen zeitmäßig Halbzeit; weitere 30 Tage ( 4 Wochen + 2 Wochenendtage) stehen mir zur Verfügung.
3. Da Fabio nach Sizilien straff unterwegs ist, tut sich mir die Option auf, so wie Seume Syrakus zu erreichen.
4. In 4 Wochen 6 Platten, was 1,5 Platten pro Woche bedeutet.
5. Kalabrien ist mentalitätsmäßig ein Entwicklungsland.











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