Matera und Metaponto - Geschichte und Nachhaltigkeit -Tag 27
- tzeitler

- 8. Sept. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Sept. 2022
Da mein Vermieter mir einen Gutschein für Capuccino und Cornetto zum Frühstück in einer nahegelegenen Bar gegeben hat, starte ich zeitig vor 7. Die Bar hat nur noch nicht auf, also ideal für eine Erkundung der Sassi(Höhlen) vor den Touristenströmen.
Es begrüßt mich gleich eine Dali-Skulptur, wie es noch mehrere geben soll.

Dann kann ich verschiedene Eindrücke der Stadt gewinnen.
Der leichte Nebel erinnert mich an den Herbst in Regensburg. Ich schau mir auch die da schon offenen Kirchen an, in San
Francesco sehe ich eine schöne restaurierte Orgel über dem Altarraum hängend, der Spieltisch ist nicht abgeschlossen und es juckt mich in den Fingern: das Instrument wird ausprobiert.
Es wurde 2011 renoviert und somit eines der wenigen Spielbaren. Bisher hab ich größtenteils Ruinen in den Kirchen an Musikinstrumenten gesehen. Die kommenden Gärtner mit Blumenschmuck für die anstehenden Hochzeit stört das nicht - ich merke nur, dass mehr als 20 Tage Klammergriff um den Lenker meine Finger doch etwas unbeweglich hat werden lassen.

Der Geist gestärkt, dann kommt auch der Körper dran - das Frühstückscafe ist nun nach 9 auch geöffnet.
Anschließend muss ich mir doch noch eine Sassi anschauen.
Ähniche Erzählungen, wie ich sie jetzt höre, kenne ich von meinen Großeltern: nur ein Zimmer, Tiere lebten im Haus. Im Roman "Christus kam nur bis Eboli" hat Carlo Levi die Zustände beschrieben, in denen die Menschen noch im beginnenden 20. Jahrhundert in diesen Höhlen hausten. Nebenbei bemerkt: die im Hirtenhaus wohnenden Oberpfälzer, zu bestaunen im Feeilichtmuseum in Neusath-Perschen, teilten ein ähnliches Schicksal.
Was man aber daraus mitnehmen kann, ist die Wiederverwendung von Materialien im Gegensatz zu unserer heutigen Bequemlichkeits- und Wegwerfgesellschaft. Der Tierdung wurde zum Heizen benutzt, die Speisen wurden in Kammern der Höhen gekühlt gelagert - nachhaltiges Wirtschaften. Wir sehen grad beim russischen Gas, dass wir die Sparsamkeit und Nachhaltigkeit wieder lernen müssen - Bequemlichkeit und ein nicht nachhaltiger Ansatz haben uns in die Lage gebracht.
Eine Höhle ist zufällig wegen Bauarbeiten offen.
Gestern vor dem Abendessen durfte ich auch einen Blick in die dem Restaurant anschließende Cantina(Keller) werfen.
Die Anstiege zu Fuß, noch an verschiedenen Stellen vorbei, die man gesehen haben muss, bringen mich in der Morgensonne dermaßen zum Schwitzen, so dass ich mich vor dem Umkleiden noch duschen muss.
Ich fahre weiter über einen kleinen Umweg; dort soll ein Naturreservat sein, jedoch stellt sich heraus, dass es sich mehr um einen Trinkwasserspeicher handelt und Wege nicht befahrbar sind.
Noch 15 km vor Metaponte kommt in der quälenden Mittagshitze bei heftigem Gegenwind eine Tankstelle mit angeschlossener Bar. Ich nehme mir ein Cola und ein Stück Pizza und setze mich hinaus, wo 6 Fruchtgroßhandelsmitarbeiter sitzen und Bier trinken; wir kommen ins Gespräch. Als mein Cola leer ist, probiere ich auch ihre Sorte:

Die Bardame schaut mich verwundert an, dass ich kein Perroni trinke, ich verstehe aber kurz später warum. Sie gibt es mir zum Preis der Arbeiter: 1,20€. Sie verdient nichts dabei. Die Arbeiter sind sehr mit sich beschäftigt und räumen um drei das Feld.
Ich bringe mein Gepäck in die über Booking gebuchte Unterkunft , die vollkommen im Hinterland ist und bin überrascht über den Luxus:
Alles meins für eine Nacht!
Aber dann noch zum eigentlichen Besuchsgrund für Megaponte: das historisch archeologische Museum mit steinzeitlichen und griechischen Funden aus der Region.
Nicht weit außerhalb wären noch die Ausgrabungsfelder mit Teilen eines Heratempels, aber es reicht jetzt mit Anschauen und ein Bad am Lido muss noch sein.

Andrea traf ich am Strand; er stammt aus Macerata aus den Marken, hat dort von einem Freund eine Bar übernommen, nachdem dieser wegen Covid aufgegeben hat und ist mit einer Kubanerin seit 20 Jahren verheiratet. Vorher spricht er wie ein Buch über Gott und die Welt, um 18:15 wird er hibbelig: Roma spielt heute Uefa-Cup, Anpfiff 18:30, er muss jetzt unbedingt gehen.

Den Besitzer der Übernachtung frag ich um Rat bzgl. Fischrestaurants.
Das Erste macht abends mittlerweile zu, aber das Zweite ist ein Volltreffer: ich gönne mir Antipasto, Primo und Secondo, um meines einsetzenden Gewichtsverlusts Herr zu werden.
Fazit des Tages:
66 km, 258 hm
Viel gesehen zur Geschichte; Matera ist ein Muss.
Nachhaltiges Wirtschaften können wir aus den Beispielen der Geschichte lernen.
Trotzdem tut ein wenig Luxus zwischendurch gut. Ich tröste mich mit meiner CO2-neutralen Fahrweise - Essen nicht eingerechnet 😉

So, und jetzt ab ins Bett; Fabio holt mich morgen früh ab, wir radeln wieder ein Stück gemeinsam.
































































Ich fühle mich auch fast wie im Urlaub in Italien, wenn ich deinen Blog lese. Danke Thomas