top of page

Leutasch- München Moosach - Tag 54

  • Autorenbild: tzeitler
    tzeitler
  • 6. Okt. 2022
  • 4 Min. Lesezeit

Schon beim Aufstehen merke ich: heute wird ein herrlicher Tag, aber es ist morgens noch sehr frisch. Auf 1200 Meter hat es nachts schon Frost gehabt. Das Röhren in der Nacht - so bestätigt mir der Hotelier, waren die Hirsche und nicht ein lautes Verkehrsmittel, es ist nämlich schon seit einer Woche Brunftzeit. Ein älterer Herr am Frühstückstisch in extremsten Bergkerkleidung hat sich deshalb dorthin zum Urlaub aufgemacht.



Ich fahre gegen halb zehn los in der Hoffnung, dass die Sonne bis dahin die Luft erwärmt hat. Trotzdem habe ich die dicken Winterhandschuhe und die Mütze unter dem Helm ausgepackt, was ich fast bis Mittag nicht bereuen soll. Schon auf der Abfahrt Richtung Mittenwald spüre ich die Kälte, vor allem an den schattigen Stellen.



Auf der Grenzpassage eröffnet sich mir die Leutascher Geisterklamm, imposant von oben anzusehen.





Beim Grenzübertritt mache ich die üblichen Fotos, das bayrische Schild wähnte ich ursprünglich den Einsparungen zum Opfer gefallen zu sein, doch es taucht erst schließlich mehr als 500 Meter hinter der Grenze auf. Hat sich das Söderbayern da hinter dem Bund und der EU versteckt? Ein Schelm, der böse Symbolik ahnt ....




Auch Mittenwald türmt im Ortskern alles auf, was hoch ist, um gegen die umschließenden Berge zu bestehen.




Ich radle weiter zum ersten See des Tages, dem Walchensee.




Ruhig liegt er da beim Zwölfuhrleuten als ich durch den Ort Walchensee fahre.



Man hat dort ein Wikingerdorf gebaut zum besichtigen, ich weiß nicht warum.



Eigentlich wollte ich erst später Pause machen, doch der Terassenbalkon vom Hotel Karwendelblick lacht mich so an, dass ich spontan den Mittagsstop dort einlege mit Leber, Röstkartoffel und Radler- die Seerenke auf der Karte war leider schon aus.


Danach kommt ein Anstieg von gut 50 Höhenmeter zur Kesselbergabfahrt, ich dachte ursprünglich, vom Walchensee geht es direkt runter zum Kochelsee.


Die Geschwundigkeitsbegrenzung von 60 Stundenkilometer halte ich ein, obwohl ein bisschen mehr ginge, aber das Gepäck hat den Schwerpunkt nach hinten verlagert, sodass die Straßenlage des Rads nicht so gut wie bei einem normalen Rennrad in den Kurven ist.



Dadurch dass ich die Kurven vorsichtig nehme, will ich vermeiden, so wie viele Motorradfahrer nicht am Kochelsee, sondern in der Notaufnahme des Krankenhause Murnau anzukommen - früher mögen es einige als Spass empfunden haben, als der Ringsgwandl dort noch als Arzt praktiziert hat. Er hat seinen Beruf auch schon an den Nagel gehängt, also um ihn zu sehen ist es nicht nötig.




Unten sehe ich ein Abzweigungsschuld zum Walchenseekraftwerk dem ich mit meinem Ingenieursspürsinn folge.


Uniper streicht sein Engagement zu Nachhaltigkeit heraus, man wähnt sich fast im Deutschen Museum mit den Erklärungen und Versuchen, die man in dem kleinen Museumsbereich durchführen kann.


Vom Kochelsee geht's raus ins Voralpenland.



Auf dem Weg liegt Benediktbeuren, ein schönes Kloster, das die Salesianer Don Bosci übernommen haben und die kath. Hochschule München als Universitätsgelände nutzt, im Klosterhof herrscht Campusatmosphäre.



Beim Verlassen winkt das Bräustüberl zu einer kurzen Flüssigkeitsaufnahme mit isotonischem Getränk.



Als nächsten See habe ich mir den Starnberger See vorgenommen, doch auch da hat der Alpengott einige Hürden eingebaut: die Verbindungsstraße zwischen Penzberg und Seeshaupt ist gesperrt. Ich frage einen Jogger, der mir einen Tip gibt, wo ich mich langschlängeln kann, eine Umleitungsbeschilderung für Radler und Fußgänger führt mich wieder auf die gesperrte Straße, deren Teer abgefräst wurde. Ich fahre darauf holpernd etwa 5 km weiter, bis eine durchlässige Absperrung mit dem Schild: verboten für Fahrzeuge aller Art.


Ich setze die Fahrt dahinter etwa 1 km weiter fort auf dem vor Tagen aufgebrachten Teer weiter bis ich zu einer Arbeitskolonne komme, die das Teeren fortsetzen. Ein Arbeiter raunzt mich an, ich solle runter von der Straße, ich schiebe mein Fahrrad an den Arbeiten weitere 500 Meter vorbei.


Liebe staßenbauende Oberbayern: so etwas hätte es auf dem Fahrradwegesystem in Südtirol nie gegeben!


Ich vermutete schon, es sei eine Maßnahme um ungeliebte Gäste vom Nobelbezirk des Stanberger Sees fernzuhalten. Zwei weiter Phänomene in diese Richtung traten auf: die Verbindungsstraße zwischen Seehaupt und Starnberg war gesperrt. Ich dachte, ich hab jetzt die Nase voll und bewege mich Richtung Osten, doch nach drei Kilometer Anstieg und weiteren fünf zu erwartenden mit einem kräftigen Umweg, kehrte ich um zum Seeradweg: dieser war geschottert!!!! Zum Glück nur am Anfang etwa 1 km. Danach löste sich alles in Wohlgefallen zwischen schönen Villen am und hinter dem See mit schönen Teerwegen bis Starnberg auf.




Somit hatte ich viel Zeit vergeudet, die mir fehlte, um rechtzeitig bei meiner Cousine anzukommen. Auf dem Weg lag noch der Nymphenburger Schlosspark, den ich ursprünglich aufsuchen wollte, doch die Sonnenuntergangsbilder bei der Überquerung des Kanals auf der Straße entschädigen dafür.


Meine Cousine Waltraud wartete schon zuhause mit einer Flasche Sekt zum Anstoßen. Auch ihr Neffe Tobias, der in München lebt und arbeitet war als eifriger Blogleser gekommen, um mich über die Reise auszufragen.



Die Kalorien, die meine Cousine vorbereitet hatte, wurden von meinen Magensäften schon sehnsüchtig erwartet. Ihr Mann Peter hatte schon die dafür notwendige Rotweindosis hergerichtet, um im Trainingszustand für die morgige Schlussetappe zu bleiben: Kraut-Hackfleich-Auflauf mit Kartoffelbrei und zum Nachtisch einer Himbeercreme. Ursprünglich wollte sie die Nachspeise in italienischen Landesfarben machen, doch die Minzeblätter waren aus und wir einigten uns, dass Basilikum doch besser zu Mozarella und Tomaten passt.

Ich sah schon aus den Fragen beim Abendessen, dass ich einige Fragen in dem Blog nicht ausreichend beantwortet habe, was ich schriftlich am Freitag in einer Rückschau machen werde. Auch ich habe mit bereits eine Fragenliste mit Punkten angelegt, die mir während der Reise durch den Kopf gegangen sind. Also wenn wer noch weitere hat: Freitag früh 9 Uhr ist Einreichungsschluss.


Fazit für heute


147 km, 726 Höhenmeter


Triple-See-Runde durchs bayrische Alpenland

@ tutti Italiani: la Bavaria è anche bella, visitatela , non solo sempre la festa della birra a Monaco!


Mein Gewichtsverlust wurde durch die Anstrengungen meiner Cousine massiv eingedämmt.


Nur noch einmal schlafen - im Zimmer wo ich vor mehr als 30 Jahren als angehender Student 6 Monate gelebt habe .


3 Kommentare


Rainer Wartlsteiner
Rainer Wartlsteiner
06. Okt. 2022

Griaß di und viel Spaß daheim bei der Familie. Lange, aufregende und spannende Geschichten. Lese deine Berichte jeden Morgen gerne. Bleibt die Frage nach den Kosten ( Zimmer, Essen, Ersatzteile, Eintritte, ...) Ich tippe mal 1€/km . Brauchst aber die Hosen nicht runter lassen. Bis bald auf eine Nachschau

Gefällt mir
tzeitler
tzeitler
06. Okt. 2022
Antwort an

Gibt's am Freitag Antworten drauf, aber bei erstem Überschlagen solltest richtig liegen; grober Daumenwert: 100 km am Tag, 100 € Ausgaben; damit sollte es grob stimmen ....

Gefällt mir

wolfgang2.bleicher
06. Okt. 2022

Herzlich Willkommen zurück in Bayern.

Gefällt mir
Beitrag: Blog2_Post
bottom of page