Rückschau - Projektabschluss - Fragen
- tzeitler

- 7. Okt. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Okt. 2022
Nachdem ich jetzt schon fast einen Tag wieder zuhause bin, die Wäsche zum Trocknen im Garten an einem wunderschönen Herbsttag hängt und sich die Gedanken sammeln und die Reise Revue passieren lassen kann, ist es an der Zeit die Reise abzuschließen.

Bei Projekten wurden wir im Berufsleben darauf geeicht, uns die Schlüsseldaten anzuschauen ( Key Performance Indicators - KPIs), seltsamerweise kamen auch mehrere Fragen in diese Richtung. In meiner Exceltabelle habe ich sie zusammengefasst.

Die Hauptfrage war immer, wo war es am schönsten?
Es war überall schön, auch die wenigen Tage, wo das Wetter nicht schön war.
Die Frage nach der schönsten Küste Italiens wurde in den Blogs ausführlich diskutiert. Meine Antwort als Radler und im-Meer-Bader und Landschaftsbeschauer und kulinarsches Leckermäulchen favorisiert die Gegend um Gaeta, trotz hochgelobter Amalfiküste, Cinque Terre, usw
In der Arbeit ist immer die Frage, wurde das Projektziel erreicht.
Die eigentliche Frage aber ist: Was war das Projektziel? Vordergründig die Umrundung des italienischen Stiefels. Dies wurde erreicht. Eigentlich ging es aber darum, mal rauszukommen aus dem Alltag, der seit Corona viele Reisetätigkeiten und dadurch sich ergebende Begegnungen mit Menschen stark eingeschränkt hat und dem beruflichen und gesellschaftlichen Hamsterrad zu entfliehen, um sich auf hedonistische Weise dem Leben zu widmen. Somit war das Schönste jede Begegnung mit Menschen, und dazu wenn möglich mit gutem Essen. Dies war in Italien nicht so schwierig. Das Fahrrad als ökologisches Fortbewegungsmittel lässt auch gleichzeitig sportliche Aktivität und visuelle Eindrücke in der richtigen Geschwindigkeit zu.
Hinter der Frage von Rainer, wieviele € pro km scheint vordergründig eine schlechte Bilanz im Vergleich zu motorisierten Fahrzeugen zu sein, wenn man die Kilometerbilanz rechnet.
Ein Rechner gibt für den Weg nach Syrakus in Sizilien 0,0 kg CO2 an, vergisst aber die nötige Essens- und Trinkenaufnahme gegenzurechnen - das war ja nicht wenig, wenn man nur die Liter Fanta zählt ( Daumenwert 1 l pro 100 km) und die dazu nötige Pasta. Dass die Werte nicht zu vernachlässigen sind, zeigt auch die ( wenn auch erwünschte) Gewichtsreduktion um mehr als 5 kg.
Ich scheine mich zu wiederholen, aber das wichtigste waren die Begegnungen mit Menschen und mit allen, die die Reise aktiv mitgestaltet haben: meine Alpenscherpas Andi und Ivo, meine Familie mit der Idee des Zwischenurlaubs, Rudolf aus Slowenien, der mir den Ausweis nach dem Verlust im Matratzenlager nachgeschickt hat, Demetrio und Alejandra, die mich in den Marken herzlich aufgenommen haben, Fabio, der mit mir mehrereTage geradelt ist, die Brüder Giovanni und Mauricio, die lustigsten Radpilger, die ich je getroffen habe, Francesco, der uns seinen BMW mit dem Schlüsselbug zur Verfügung gestellt hat, Marco und Serenella, die mich begleitet haben auf den Ausgrabungen in Syrakus, meine Cousine Heidi, die mich herzlich aufgenommen hat, das Paar Emanuelle und Illaria, bei deren erstem Date ich dabei sein durfte - die Nachfrage hat ergeben, dass was draus geworden ist- die Seemänner, die mich spontan zum Abendessen mitgenommen haben, Rainer mit Motivationsbier am Gardasee, meine Cousine Waltraud für die Unterstützung zur letzten Etappe,
mein Backoffice zur Korrektur des Blogs von Andi und Demetrio und alle Leser und Inputgeber des Reiseblogs und natürlich meine Frau, die mich immer aktiv für das Vorhaben unterstützt hat.
Wen ich jetzt vergessen habe, bitte ich um Entschuldigung, die Liste könnte ich noch viel länger fortsetzen
Wie hab ich die Reise geplant?
Die Idee, in Italien "rumzuradeln" bestand schon länger. Letztes Jahr im Sommer hatte ich vier Wochen Urlaub, drei davon bin ich geradelt und in der letzten Woche, waren wir mit dem Auto in Triest, wo ich die sich auf dem Bild befindliche Ei Wei-Wei Tasse der Illy- Collection erstanden habe. Da entstand eine erste Ahnung, dass mir eine längere Italientour das Richtige für mich wäre. Ein Aufenthalt in Florenz in den Faschingsferien leistete dem noch einen zusätzlichen Schub. Nach Genehmigung durch meinen damaligen Chef Norbert begann ich dann für die Zeit eine grobe Roadmap anzustecken ( siehe unter den Blogs vorher), um Mitradler zu begeistern und grobe Eckdaten festzulegen. Außer dem Urlaub in Comacchio und der ersten Übernachtung in Strasswalchen wurden keine Übernachtungen vorgeplant. Immer nach der Devise, wie weit könnte ich es morgen schaffen, wurde der nächste Ort und die Übernachtung mittels GoogleMaps oder Booking maximal einen Tag vorher fest gemacht. Die mitreisenden Italiener belächelten mich dafür, dass ich soweit vorausplane, deren Strategie war mehr in den Ort reinzufahren und durchfragen, um die "Flexibilität" zu behalten. Mir war eher wichtig auf ein Ziel hinzuradeln, was das Weiterkommen unterstützte bei meinem zähen morgendlichen Aufbruch, aber auch zu Fahrten bis in die Dunkelheit führte.
Wie lange werde ich das Urlaubsfeeling und die Gelassenheit in den Alltag mitnehmen können?
Weiss ich nicht - zumindest heute funktioniert es noch.
Gibt es schon ein nächstes Reiseziel dieser Größenordnung?
Ideen existieren immer. In Regensburg steht die Schottenkirche mit einer Kilometerangabe nach Santiago de Compostela. Ein verstorbener Arbeitskollege hatte sich diesen Traum erfüllt und einen Vortrag darüber gehalten. War sehr interessant. Zumindest heuer plane ich nichts mehr in die Richtung. Nachdem ich einen neuen Chef mit Stefan habe, ist bei ihm das Bitten um ein Sabatical noch nicht ausgereizt 😉. Aber da ist noch eine Weile hin ...
Una cosa molto importante per me: nonostante del tempo dificile: Italiani, non ritirare nel egoismo nazionale, queste idee della destra sembrano di fornire risposte semplice ai problemi complicati. Proseguite la idea europea e mettete sulla cooperazione con i tedeschi, se pure i valori sono un pocco differenti. Guardate nel microcosmo Alto Adige come trasformare le differnze in vantaggi!
Questa solo funziona quando si capisce la lingua del altro.
Ein Thema liegt mir noch am Herzen: trotz der schwierigen Zeit: Deutsche, verfallt nicht in nationale Egoismen, solch Gedankengut von Rechts scheint einfache Antworten zu liefern! Verfolgt die europäische Idee und setzt auf Kooperation, wo ihr auch die Italiener mitnehmt, auch wenn die Werte manchmal etwas abweichen! Schaut in den Mikrokosmos Südtirol, wie sich die Gegensätze zum gegenseitigen Vorteil verbinden lassen!
Das funktioniert nur, wenn man die Sprache des anderen versteht.
So, jetzt ist genug darüber geschrieben, wenn noch jemand eine Anmerkung hat, bitte ich sie mir zuzusenden. Auch kann ich Euch beraten, auf was es bei so einer Reise ankommt.
Absolut zur Nachahmung empfohlen, auch ich würde gerne einen Reiseblog zu so einem Abenteuer lesen: lasst es mich wissen, wenn ihr loslegt!
Bis bald
Thomas


Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht das Gedicht von Johann Gottfried Seume 1804: „Wo man singet, lass dich ruhig nieder, Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; Wo man singet, wird kein Mensch beraubt; Bösewichter haben keine Lieder.“