Pilgerfahrt zum Grab des Heiligen Antonius - oder wie Tag 8 begann
- tzeitler

- 20. Aug. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Aug. 2022
Der Abend in Bassano war noch lustig verlaufen. Bei einer kurzen Wanderung durch Bassano sichteten wir den Nachbau von Dürers Rhinocerus.

Danach verlief der Abend so feucht, wie der Regen vom Himmel fiel. Eine Italienerin aus den Bergen bei Belluno bestellte beim Unterstellen bei einer Bar, wozu wir uns gleich anschlossen und ihre gute Idee bewunderten. Dies bewegte sie dazu, uns gleich auf einen Drink einzuladen, um das Abflauen des Regens abzuwarten. Dabei lernten wir etwas über das Unglück in der Provinz Belluno, wo am 9. Oktober 1963 die Vajontstaumauer brach und 2100 Menschen ums Leben kamen. (detaillierter Bericht vom Vajont-Unglück)
Nach einer kurzen Runde durch die Stadt blieben wir wieder in der gleichen Lokalität hängen, um den letzten Abend zusammen zu feiern. So wie der Regen nicht aufhören wollte, geschah es auch mit dem Nachschub von lokalen Wein( Merlot, Spumante) , weshalb Tag 8 zur Regeneration von C2H5OH nötig ist.

Also das Ideale: Abstinenz und eine Wallfahrt zur körperlichen und geistigen Erbauung.
Zuvor aber durften wir die Nacht noch im 4* plus- Hotel Glamour verbringen - Wocheendtarif und deshalb konkurrenzfähig mit den billigen Hotels im Ort.

Am Morgen hieß es Abschiednehmen. Mit einigen Songs aus dem Handy zum Mitsingen (" it is time to say goodbye" und "o sole mio" von Pavarotti waren wir in der richtigen Stimmung fürs Frühstück. Andis blaue Fingerschiene brachte ihm den Titel Mr. Blue Finger ein, was natürlich musikalisch durch die James-Bond-Titelmelodie Goldfinger untermalt werden musste.

Danach trennten sich unsere Wege. Ivo und Andi vermachten mir noch wichtige Dinge, die in meinem Austattungsfundus nicht dabei waren, um in der "Wildnis" alleine überleben zu können: Ladekabel USB-C, Opinel-Messer, Sonnencreme, Spezialzange, Spanngurt, Fixiergummies.
Somit sollte ich alles zum Survival an Bord haben.

In Eineinhalb Stunden bewältigte ich mühelos die 40 km nach Padua bei einem 27er Schnitt, 12! hm nur.
Der erste Weg führte mich zuerst zum Dom. Ich war überrascht über die moderne Gestaltung des Altarraums.

Dann weiter durch die Stadt an der Markthalle vorbei:

Wegen des verlorenen Ausweises wurde natürlich die Wahlfahrt zum Hl. Antonius noch wichtiger. Ursprünglich wollte ich für meinen treuen Freund Rudolf aus Slowenien (siehe Tag 5) eine Kerze am Grab des Heiligen entzünden. Er ist ja der Heillige aller Schlamperer und muss sich nicht erst seit der Ausweisaktion auch verstärkt um mich kümmern. Jedoch durfte man das Grab nur nach Desinfektion der Hände berühren.


Die Kerze für Rudolf gibt es dann in der nächsten Kirche.
Padua hat seinen Weltkulturerbestatus auch wegen des Botanischen Gartens, der sich gleich hinter der Antoniusbasilika erstreckt. Somit schwenke ich gedanklich wieder auf den Blog "Vorbereitung" ein, da schon Goethe auf seiner italienischen Reise 1786 den 1545 gegründeten Botanischen Garten besucht hat.


Darüber hinaus ist auch die Zusammenstellung der insektenfressenden Pflanzen interessant, wo mir Philipp durch seine Passion schon viele Einblicke mitgegeben hat.

Die Kannenpflanze zeigt, wozu es unser Exemplar im Badezimmer noch bringen kann.

Ich sinnierte, wie der Tag dann weitergehen sollte- in Padua bleiben, oder ein kleines Stück weiterfahren oder gleich noch ein bisschen- es darf a bisserl mehr sein - also dann gleich bis Ferrara, so wird es ein gemütlicher Sonntag.
Ich stürzte mich in die Hitze, die SS16 weiter 77 km bis Ferrara. Gleich hinter Padua kam eine große schwarze Wolke, die mir mindestens 10 km Schatten schenkte. Es fühlte sich an, als hätte der Regisseur mit mir kleinem Radler so wie in der Truemanshow etwas Nachsehen gehabt. Dank dem Regisseur !
Erschöpft kam ich dann kurz vor 7 in Ferrara an; 27er Schnitt über den Tag, 117 km 100hm.





Le tue doti affabulatorie migliorano di giorno in giorno!