Frascati - Rom - Montefiascone - Tag 42
- tzeitler

- 24. Sept. 2022
- 5 Min. Lesezeit
Die Vermieterin, mit der ich nur per WhatsApp Kontakt hatte, riet mir zum Abendessen zur Osteria San Rocco Piacente zu gehen - kein schlechter Tipp- wie sich rausstellen sollte. Wie beabsichtigt startete ich mit Porchetta und Rotwein, gefolgt von Tonarelli cacio e pepe und dann anschließend gegrilltes Lamm mit Gemüse. Der Laden war proppe voll. Man hatte einen Blick Richtung Rom.
Mir saß ein italienisches Paar, das etwas unsicher miteinander umging, gegenüber. Nach erstem Zuprosten, und immer wieder Aufgreifen von Gesprächsfetzen kam ich nach dem Essen mit ihnen ins Gespräch. Emanuelle arbeitet in Roms Edeleinkaufsstraße als Verkäufer, Illaria ist in der Verwaltung einer Zahnarztpraxis tätig, beide aus der näheren Umgebung ( Palestrina) und sie hatten ihr erstes Date. Emanuelle kannte ihrer Bruder gut und so hat sie sich schließlich auf ein Date - wie sie sagte - mit dem schrägen Vogel eingelassen. Sie waren sich unsicher, ob aus ihnen etwas werden sollte.

Ich machte von ihnen dann noch ein paar Fotos.

Wir plauderte dann vergnügt, ich musste mit ihnen noch ihre 2. Flasche Wein ausleeren und verabschiedete mich dann höflich. Sie versprachen mir mitzuteilen, wie es bei Ihnen weitergehen würde. Ich dachte auch nicht, dass mir noch eine Karriere als"Gschpuser" - so sagt man im Bayrischen - bevorsteht.
Cara Illaria, caro Emanuelle, lasciate mi sapere si o come è svilupata la vostra relazione. La sera con voi era un piacere.
Am Morgen suchte ich die nächste Bar auf zum italienischen Frühstück.
Der Barmann war länger in Australien, wollte dort Studieren, doch daraus wurde nichts wegen Covid.
Nachdem ich mein Rad und die Taschen die drei Stockwerke der B&B- Wohnung wieder hinuntergetragen hatte, machte ich mich auf den Weg ins 3 km entfernte Grottaferrata, gestern war ich ja nicht mehr dazugekommen.
Im Kloster San Nilo angekommen, hielt ich in der Kirche Umschau nach einer Orgel. Mönch Claudio erklärte mir, dass es sowas im Byzantinischen Ritus nicht gibt. Ich sprach ihn auf Demetrios Verwandte im Kloster an, doch ohne Namen wird eine Zuordnung schwierig. Demetrio schickte mir die Namen per WhatsApp in der Zwischenzeit: Pater Stefano (+2004) und Pater Valerio( +2010). Mönch Claudio kannte Valerio, die ältere Frau, die beim Blumenschmuck in der Kirche half, kannte sie beide und sprach von Ihnen mit Hochachtung. Ich zündete gleich zwei Kerzerln für sie an.
@Demetrio: Questo momento mi a mosso molto di ricordarsi delle persone stimmate chi sono morte. Racontalo alla tua Mamma!

Beim Reingehen in das Kloster sprach ich noch mit Massimo Breazzano, der seinen Posten am Eingang bezog. Er erzählte mir viel über das Kloster und auch seine Lebensgeschichte beim Rausgehen, und passte in der Zeit auf mein Rad auf. Er hat bei Pater Valerio das Buchrestaurieren in der Klosterbibliothek gelernt und dort viele Jahre gearbeitet. Die Bibliothek wurde mittlerweile vom italienischen Staat übernommen, die Restaurationsarbeiten an den Büchern werden europaweit ausgeschrieben und für ihn gab's nichts mehr zu tun. So beschäftigen ihn die Mönche mit dem Job des Pförtners. Ich hatte den Eindruck, dass seine Talente ungenutzt sind.
Caro Massimo, io non pottrei continuare col mio lavoro come tu, nonostante il fatto che mi sentiva qualcque volte simile. Cambia qualcosa! Grazie per tutti le foto e i registratione dei canti bizantini.
Er versorgte mich auch mit vielen Bildern und auch Aufnahmen + Noten der Byzantinischen Gesänge, als er von meiner Neigung zum Orgeln erfuhr.
Ich machte mich dann sichtlich beeindruckt auf den Weg ins schon von dort aus zu sehende Rom, obwohl ich es ja ursprünglich umfahren wollte, auch wegen des Verkehrs. Doch ich dachte mir, wer Bari, Salerno und Neapel überlebt hat, wird auch durch Rom kommen.
Die Einfahrt bis Cinecitta auf der zu mehreren Spuren vergrößerten Staatsstraße verlief problemlos, von dort aus gab es einen Radweg, und damit fingen die Probleme an - zum Glück nicht für mich persönlich.
Kein rechts abbiegender Autofahrer schert sich um ankommende Radfahrer, der Radweg ist Parkplatz für SUVs. Einem selbstbewussten SUV-Fahrer , den ich mit "Fai uno scherzo, ragazzo!" anraunzte, konnte ich nur ein schulterzuckendes "Scusa" entlocken.
Die Fußgänger waren nicht viel besser - meine zum Glück montierte Klingel hatte Höchsteinsatz. Ein sich fast selbst schon aufgegebener Radler auf dem Weg zum Arbeisplatz bestätigte mir den mangelnden Respekt gegenüber Radlern in Rom.
Ich sah einen auf einem Einrad jonglierenden auf der Kreuzung bei roter Ampel, um sich etwas Geld zu verdienen - man konnte meinen, der römische Verkehr ist ein Zirkus.
Ich begegnete immer wieder einem einheimischen Scooterfahrer an den roten Ampeln, wir kamen ins Gespräch und er lotste mich Richtung San Giovanni im Lateran, wo auch sein Arbeitsplatz als selbständiger SW-Entwickler ist, nicht weit weg vom Kollosseum. So kam es zum zusätzlichen ungeplanten Bild vor der Laterankirche, gemacht von einem kroatischen Fotografen seiner Pilgergruppe.

Ursprünglich war mein Plan, mich in das schöne Café am Kapitol zu setzen mit schönem Blick auf das Forum, das ich mit meiner Frau bei einer früheren Romreise bei einem Aperitivo genossen hatte - jedoch führten dahin dann so viele Stufen nach oben, dass ich Rad und Gepäck nicht unbeaufsichtigt lassen wollte. Da stand ich auf dem Kapitol, und hatte keinen Aperol! So konnte ich Bacchus nicht entsprechend würdigen!
Vielleicht auch besser so, übrig blieb dann für mich eine Porchetta und eine Fanta kurz vor der Engelsburg vor der anstrengenden Weiterfahrt.
Die Rausfahrt aus Rom war relativ unproblematisch: am Tiber führte die ersten 3 km ein breiter, autoloser Radweg aus die Stadt hinaus, dann über die Stastsstraßen Via Claudia un dann auf die Via Cassia. Man sagt zwar, Rom sei auf sieben Hügeln erbaut, doch die eigentlichen Hügel kamen für mich erst hinterher.
Bis zum Lago Bracciano ging es im Rahmen des Erträglichen, dann kam der Hammer: etwa 250 hm in weniger als 2 km. Die Anfangspassagen mit 25 und mehr % schob ich keuchend und tiefen, im getretenen zweiten Teil zeigte der Höhenmesser bis zu 22% an. Solche Steigungen konnte ich zu Beginn der Reise mit dem Gepäck am Loiblpass nicht meistern! Doch die Aussicht entschädigt oben wieder.
Sodass meine Navi nicht wieder auf dumme Gedanken kommt, versuchte ich zu verhindern bei einem kurzen Zwischenhalt in Sutri beim Amphiteater, das in den Tuffstein gebaut war.
Die Landschaft erinnerte mich schon langsam an die Toskana.
Die Zeit ging dahin mi Kilometern und Höhenmetern, teils auf wirklich schlechten Straßen und so war es fast schon sieben, als ich den Ortskern von Viterbo umfahren musste, da ich noch weitere 12 km hatte, was mir leid tat. Jedoch hatte ich die Etappe so weit gewählt, um die Einladung zum Mittagessen am Sonntag in der Nähe von Volterra wahrnehmen zu können. Ich hatte ursprünglich aber nicht bedacht, dass Montefiascone auf einem Berg liegt - der Körper hielt mit letzter Kraft die zusätzlichen mehr als 200 hm durch und es wurde nicht der Monte del fiasco 😉.
Da ich den Bericht erst nach dem Abendessen schreibe aufgrund der späten Ankunft und des unstillbaren Hungers, kann ich dies gleich mit anhängen: mich gelüstete nach Krabbencoktail, Meeresfrüchterisotto und zur Nachspeise - abgeschaut vom Nachbartisch- ein Tartuffo affogato, das in Espresso ertrunken Tartuffo: köstlich!
Fazit für heute
131 km, 1467 hm
Zum Glück war ich schon oft genug in Rom, ansonsten könnte ich dort die Komplettzeit meiner Tour verbringen.
Bewegend ist in Vergangenheit( byzantinische Mönche) und Zukunft zu schauen ( Emanuelle und Illaria), doch in der Gegenwart zu Leben
Wenn ich mir einen Ort mit Monte im Namen aussuche, sind am Schluß kräftig Höhenmeter zu treten







































































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