Formia - Frascati - Tag 41
- tzeitler

- 22. Sept. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Bevor ich loslege, muss ich noch berichten über das gestrige Abendessen; meine Frau interessiert sich dafür, was ich so esse - mehr aus Geschmacksinteresse, als ob ich zuviel oder zu wenig äße. Zumindest beim Start zu Max Beergarden, das Abo-Restaurant des Feriendorfs, stelle ich fest, dass sich der Gürtel in die engste Stufe stellen lässt. Das ist ein Zeichen dafür, dass ich massiv mich verschmälert habe - an mangelndem Weingenuss kann es zumindest nicht liegen. Beim Wiegen vor ca 25 Tagen bei Demetrio konnte ich noch keinen Gewichtsunterschied feststellen - wahrscheinlich noch Muskelmasseaufbauphase, jedoch sind jetzt alle Coronavorräte abgeschmolzen. Dem begegne ich mit einer Wurst- und Käseplatte des Hauses, deren Größe mich überrascht und einem Rumpsteak, gefolgt von einer Creme Catalan. Es stehen nach Frascati 140 km an. Ich will ja nicht vom Fleisch fallen.
Eigentlich wollte ich an dem Tag bis Castel Gandolfo fahren, da aber keine für mich bezahlbare Zimmer mehr frei waren, dachte ich mir, Frascati ist auch ganz gut, denn zu jedem der beiden Orte habe ich eine Beziehung:
In Castel Gandolfo ist der Urlaubsort unseres Chefs, also der Chefurlaubsort. Nein, nicht der von der Arbeit. Ich habe noch ein Amt als Pfarrgemeinderat in Burgweinting, wo heute die erste Sitzung nach den Ferien ist, die ich schwänze - aber mit der Bemerkung, dass ich am Urlaubsort des Papstes bin, wird meine Entschuldigung sicher angenommen. Einige, die meine Berichte genau gelesen haben, erinnern sich noch ans Capo di Vaticano, das damit ganz und gar nichts zu tun hat und in Calabrien liegt. Mein Laienamt mit mir als kritischem Geist gibt nicht die Connections, dass mir in der päpstlichen Residenz ein Schlafplatz gestellt würde. Der freie Markt ist jenseits meines gesteckten Budgets.
Frascati war Teil der Abiturfahrt im Jahre 1986 des Stiftlandgymnasiums Tirschenreuth nach Rom am Ende der 11. Klasse, also vor 36 Jahren. Ich erinnere mich noch gut an die Semmel mit Porchetta, die dann mit reichlich Frascati hinuntergespült wurde. Im Bus auf der Heimfahrt zum Quartier skandierte der ganze Bus auf den Vorgröler Hager Tom ( Gott hab ihn seelig): "Tschobba" mit "Lissi", unsere damals unverheiratete, ältere Religionslehrerin mit dem Namen Elisabeth Jobst. Was ich sonst noch wahrgenommen habe in den 5 Stunden Frascati, darüber hülle ich den Mantel des Schweigens. Später auf der Abiturfahrt sind wir dann eine Wette eingegangen, dass wir uns 20 Jahre später wieder in Rom treffen, der mit dem höchsten Jahreseinkommen zahlt. Da ich nur den Andres ausfindig machen konnte von den Wettbeteiligten mit höherem Jahreseinkommen, drängte ich dann auch auf die Einlösung der Wette im Jahr 2006, was auch geschah - ein gutes Revival von Andres und mir - ein Dank gilt nochmal dem Sponsor! Rom werde ich deshalb auslassen. Nur Frascati war halt nicht dabei, vielleicht kommt ja jemand auf die Idee, nach 40 Jahren Frascati zu wiederholen?....
Da ich das letzte Mal für die nächsten Tage am Meer sein werde, starte ich in guter Tradition den Tag mit einem Bad im Meer. Frühstück gibt's eh erst ab acht.
Ich musste unbedingt hinter die Steine rausschwimmen, da man von dort einen schönen Blick auf Ischia und Capri hat. Außen ist es bei den Morgentemperaturen, gefühlt 15 Grad, kälter als im Wasser- das Mittelmeer hat hier angeblich noch 26 Grad.
Ich startete an der Hauptstraße entlang der Küste: Formia, Gaeta bis Terracino. Es gab zwar zwei antike Ausgrabungen, aber mein Bedarf war über die letzten Tage gesättigt. Zum Thema schönste Küste Italiens: es ist vielleicht nicht DIE SCHÖNSTE, aber sie kommt einem Oberpfälzer entgegen. Ruhig, bodenständig, anmutig. Behalte ich im Hinterkopf für einige Urlaubstage in Italien - auch der Jahn liefert immer wieder tolle Spiele in der 2. Bundesliga.
Ab Terracino wird die Via Appia lästig: eng, schlechtes Bankett, vorbeirauschende Laster; ich weiche auf eine Parallelstraße aus bis Latina.
Ich fahre durch eine landwirtschaftliche Gegend, durchsetzt mit Witschaftsgebäuden und Wohnhäuser. Andi hatte mich gestern gefragt, ob ich die Büffel gesehen hatte für den Mozzarella. Keinen einzigen; Milchlaster ja, aber anscheinend müssen die Tiere ihre Zeit drinnen verbringen. Auch die Pflanzen kommen unter die Folie.
Nach 80 km fahren ist die Luft raus und ich brauche eine Pause, so 5 km vor Latina. Nudeln mit Pilzen und Wurst sowie Truthahn mit Cicoré heben die Stimmung wieder. Am Nebentisch höre ich heftige Diskussionen über Kommunismus und Faschismus mit Hinblick auf die Wahl am kommenden Sonntag.
Nun bin ich bereit für die faschistische Architektur von Latina. Seume konnte hier noch nichts besichtigen, es wurde erst ca. 150 Jahre nach ihm im Jahr 1932 erbaut und ist die zweitgrößte Stadt Latiums ( ca 150 T) nach Rom.
Demetrio schrieb mich schon fragend an, was ich da wolle. Oliver Heilwange, der mit dem Rad den Weg Seumes nachgefahren ist ( Buchtip im Blog "Vorbereitung") war auch dort und hat es ausführlich beschrieben. Auch in Deutschland wurden von Speer und Hitler noch weitergehende Pläne gesponnen.
Die Fratelli d'Italia mit Frau Meloni an der Spitze sehen sich immer noch als Nachfolger von Mussolini. Ihre Bündnisbrüder Salvini und Berlusconi kumpaneiten mit Putin - für mich ein Faschist und Kriegsverbrecher.
Cari Italiani con il diritto a votare, ecco la mia prega: non votare la destra a domenica !!!!!! Voglio avere un Europa libera in una socità equale, dove posso godere il vostro paese! Non proseguire i seduttori e amici di Putin!
Avete un paese sviluppato di cultura di molti mille anni che non può essere distrutto dai opportunisti!
Abschließend lässt sich über Latina nichts besonderes Sagen, faschistische Größenwahnarchitektur halt. Die Rechten waren auch schon da zur Wahlwerbung.
Als ich Richtung Veltri weiterfahre, verändert sich die Landschaft: sie wird hügeliger, Wein und Oliven werden angebaut, Traktoren mit Anhänger voll Weintrauben kommen mir entgegen.
Die Navi ist dann kurz vor Castel Gandolfo unzufrieden mit meiner Aversion gegen römische Ausgrabungen und schreitet ein: sie führt mich auf die Via Appia Antica.
Zum Glück nur 400 m.

Doch mindestens wegen Zeitverlust komme ich erst gegen 7 in Castel Gandolfo an. Die Sicht da oben ist herrlich - sowohl zum Meer als auch auf den Albaner See als auch Rom.
Zwei Norweger machen noch schnell ein Bild von mir, dann Nachtfahrt nach Frascati noch 9 km - mit Warnweste und Licht, hinten jetzt 2.

Um 8 komme ich am im B& B , eine Wohnung im 3. Stock, also das Rad rauftragen.
Den Tipps von Demetrio für Grottaferrata, dem Taufort seines Bruder gehe ich morgen nach.
Also ab Duschen und dann Porchetta und Frascati.
Fazit für heute
137 km, 1147 hm
In Erinnerungen schwelgen ist auch mal schön.



































































Das mit dem Gürtel schauen wir dann mal gemeinsam nach. Wie du weißt hab ich deine Hose noch im Fach. Lass es uns so machen. Du ziehst due Hose ohne Gürtel an und wir gehen in die Kantine. Wenn sie dort in den Kniekehlen hängt dann hast Du abgenommen 😂😭🤣